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14. Tag Rundreise Südinsel

Golden Bay

Nach der "bewusstseinserweiternden" ;) Übernachtung im Motueka Valley ging es am diesem Tag weiter in Richtung Norden. Die Nordspitze der Südinsel war verlockend und der Name "Golden Bay" tat sein übriges.

Von Motueka aus, wo sich die Strasse nach Osten (Nelson) und Westen (Golden Bay) teilt, ging es geradewegs nach Westen und damit in die Takaka Hills. Ich kam mir vor wie in den höchsten Alpen. Selten bin ich so lange am Stück solche Serpentinen gefahren wie hier. Die Kupplung begann schon streng zu riechen und auch die Bremse hatte bei den kurzen Abwärtsstrecken arg mit Hitze zu kämpfen und quittierte das Ganze mit nachlassendem Engagement. Ich dachte mit Grauen daran, dass wir diesen Berg auch irgendwann wieder runterfahren müssen. Das ging dann auch nur im ersten Gang (der Automatik!), was nicht wirklich hilfreich war. Aber besser wie gar nichts. 
Blöd: wir mussten den gleichen Weg in drei Tagen auch wieder zurück!

Angekommen in Takaka (sprich: Taa kaka) gingen wir sofort ins örtliche i-Site – Neuseelands offizielle Touristeninformationszentren. So haben wir das in jedem Ort getan, wo wir übernachten, oder länger bleiben wollten.
Wir bekamen die örtlichen Vorzüge angepriesen, wie das Kunsthandwerk, welches hier seit Jahren ansässig ist, das "Nacked Possum" angeblich das bekannteste Lokal der Gegend und zwei/drei Walks, also Wanderstrecken in schöner Umgebung und gewünschter Länge.

Eigentlich wollten wir gerne in den Abel Tasman National Park. Aber von dieser Seite war er nur zu Fuß zu erkunden. Zwar konnte man ein Stückchen weit mit dem Auto hineinfahren, allerdings waren das nur unbefestigte Straßen, und dort war unser Mietwagen nicht versichert. So entschieden wir uns erst einmal, anhand der lokalen Karte vom i-Site, nach einem B&B Ausschau zu halten und fuhren in Richtung Collingwood und Farewell Spit.

Kartenbild

Wenn man genau hinschaut, dann sieht die Spitze selbst wie der Kopf eines Kiwi aus.

Wir hatten uns ein B&B ausgesucht, was nicht so teuer klang, aber einen tollen Garten versprach. Die Nase von meinem Schatz begann schon zu zucken, in Erwartung der vielen Blumen und Blüten. Leider war hier niemand anwesend und in der Mittagshitze zu warten war nicht unser Ding. Also…, wieder ein Blick auf die Karte geworfen. Plan B, wo die Beschreibung eine tolle Veranda mit Blick auf die Bucht versprach, war der Volltreffer! Kahurangi B&B – Eine ehemalige Luxus-Lodge war zu einem Function-Center mit B&B umfunktioniert worden, inklusive der Preise. Wir waren sprachlos. Ein riesiges Zimmer, mit großem Bad und super Aussicht auf die Bucht, plus eigener, durch Hecken abgeschirmter Veranda. Sonnenaufgang inklusive. Wow!

Alsbald, nachdem wir unsere Klomatten Klamotten ins Zimmer gebracht hatten, überkam uns der Hunger. Wir entschieden uns das so überschwänglich angepriesene Nacked Possum (nackte Beutelratte) auszuprobieren. Wie wir ja schon wussten, ist das Possum in Neuseeland in etwa so beliebt, wie der Steuereintreiber im Gewerbegebiet. "Nur ein totes Possum ist ein gutes Possum!"
Das Nacked Possum war nur nicht so leicht zu finden, wie die Karte suggerierte. Es ging über etliche Kilometer unbefestigte Strassen, einige One Lane Bridges, 4 Kurven und 3 Kreuzungen. Es lag eher unspektakulär mittem im Grün, am Rande des (native) "Bush". Es bestand aus drei Häusern und einer offenen Räucherhalle. Uns zog es zuerst zur Tannery. Der Typ hinter dem Fenster sah gleich unsere fragenden Augen. Als wir ihn fragten, was denn eine Tannery sei, fragte er seinerseits – auf deutsch – woher wir kommen. Es war ein Deutscher, der bereits seit acht Jahren mit seiner Kiwi-Frau in NZ lebte und seit zwei Jahren hier in Golden Bay ansässig war.
Der Gerber (also der Tanner) machte, auf ökologische Weise Leder aus den Possum-Häuten. Aber er hat auch schon ganz andere Dinge gemacht: hat auf dem Bau gearbeitet, hatte irgendwas mit Filmen zu tun und war auch schon drei Monate in der Antarktis, als Elektroingeneur und Mädchen für alles. Nicht schlecht! Er erzählte uns noch einiges zu den Possums: was man draus machen kann und das die Haare des Fells innen hohl sind und damit Wolle daraus sehr isolierend wirkt. Der Haken: das Fell muss gerupft werden, wenn das Tier noch warm ist. Es geht die Geschichte um, dass sich einmal ein Possum tot gestellt hat, gerupft wurde und danach weglief. Irre, und das geschah einer alten und geübten Fallenstellerin! (Fast wie in Ice Age 2 – tot stellen, um zu überleben.)

Collingwood

Auf der Rückfahrt machten wir noch einen kurzen Stopp bei "Weka Arts", in der Hoffnung, dass es sich um Kunst mit oder über die putzigen Vögel handeln würde. Leider war es nur ein Name. Aber sie hatten tolle Stühle aus Baumwurzeln.

Collingwood selbst ist ein verschlafenes Küstenstädtchen an der Nordspitze der Südinsel. Wer hier länger bleibt, hat entweder nichts zu tun oder keine Ahnung was man tun könnte. Es war bereits Abend geworden und mein Liebling verlangte nach etwas Süßem, einem Nachtisch für das nicht allzu besondere Essen im Nacked Possum.

Das frühere Court House war zu einem B&B mit Café umgebaut worden. Wir saßen im Vorgarten, der an einer Kreuzung (wahrscheinlich die Hauptkreuzung) lag und genossen unseren Kaffee, respektive Tee. Nichts bewegte sich. Ein lauer Luftzug von der See strich durch die Straße(n). Schräg gegenüber schaukelte noch ein Kind und machte dabei quietschende Geräusche. Doch auch das hörte schlagartig auf, als ich den letzten Schluck meines Kaffees ausgetrunken hatte. In diesem Moment fehlte nur noch der obligatorische Strohballen, der über die Straße rollt – High Noon und nur noch einen Schuß im Revolver. Gäbe es noch keine Wildwest Filme, hier würden sie erfunden werden!

Farewell Spit

Abends zurück im B&B haben wir uns dann noch mit den Betreibern unterhalten. Irgendwie haben wir uns dann noch überrumpeln lassen und für den nächsten Morgen ein Horse Trecking am Rande des Farewell Spit gebucht. Schatzi war begeistert – ich musste mit.

Khan. Er hieß Khan und war an der Schulter gut zwei Meter fünfzig hoch. Wir schauten uns an und überlegten. Jeder auf seine Weise. Er machte ein langes Gesicht, denn ursprünglich sollte mein Schatz auf Ihm reiten. Nun bekam er mich. Er war sauer, das konnte ich ihm ansehen. Er beschloss seinen eigenen Willen durchzusetzen. Es gelang ihm – größtenteils. Als ich dann oben saß waren es geschätzte fünf Meter fünfzehn bis zum Boden, und ich hatte die Kamera dabei. Na toll.

Schatzi bekam ein "Zigeuner Pferd". Ich frage mich, wo kommen in Neuseeland Zigeuner her? Schatzi’s Pferd hatte Spaß und vor allem weniger zu tragen. Es lächelte.

Nach dem Ritt ging ich ziemlich breitbeinig zum Auto zurück und war froh, dass wir einen Automatik hatten. Der schnelle Trab und der Galopp hatten mir nicht gut getan… (Männersache)

Heute Abend wollten/sollten wir Tango tanzen, in Nelson. Ich weiß noch nicht wie.

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